"So etwas tut man nicht."
Bundespräsident Köhler beginnt seine mit viel Beifall aufgenommene Berliner Rede vom 24. März 2009 unter dem Titel „Die Glaubwürdigkeit der Freiheit" mit der Behauptung:
"Es war in Prag, im September 2000. Ich war neu im Amt als Geschäftsführender Direktor des Internationalen Währungsfonds. Mein Ziel war es, den IWF zum Exzellenzzentrum für die Stabilität des internationalen Finanzsystems zu machen. Die Entwicklung auf den Finanzmärkten bereitete mir Sorgen. Ich konnte die gigantischen Finanzierungsvolumen und überkomplexen Finanzprodukte nicht mehr einordnen."
Köhlers Ausführungen vom September 2000 in Prag sind im Wortlaut dokumentiert:
http://www.imf.org/external/np/speeches/2000/092600.htm
http://www.imf.org/external/np/speeches/2000/092700.htm
In beiden Reden findet sich kein Hinweis auf "gigantische Finanzierungsvolumen und überkomplexe Finanzprodukte", stattdessen propagiert Köhler mehr Wettbewerb zwischen den Banken! Die Hinweise auf Krisenabwehr beziehen sich primär auf Wechselkurse. Noch im Juni 2002 hat Köhler entsprechend ausgeführt:
http://www.imf.org/external/np/speeches/2002/062102.htm
" We must accept that overshooting and correction will always be a part of this process if we want to preserve a system based on freedom, market economics, and self-responsibility. We must recognize that in an open and dynamic market economy there are limits to our ability to predict and prevent crises. The objective can only be fewer and less severe crises. ... Self-responsibility must not be weakened at either the national or the international level."
"Wir müssen akzeptieren, dass Übertreibungen und nachfolgende Korrekturen immer ein Teil dieses Prozesses sein werden, wenn wir ein System aufrechterhalten wollen, das auf Freiheit, Marktwirtschaft und Eigenverantwortung aufbaut. Wir müssen erkennen, dass es in einer freien und dynamischen Marktwirtschaft Grenzen gibt für unsere Fähigkeit, Krisen zu erkennen und zu verhindern. Unser Ziel können nur weniger und weniger ernste Krisen sein. ... Eigenverantwortung darf nicht geschwächt werden, weder auf nationaler noch auf internationaler Ebene"
In Köhlers Beiträgen als Chef des IWF finden sich keine Belege für Warnungen vor gigantischen Finanzierungsvolumen und überkomplexen Finanzprodukten. Warum betreibt der Bundespräsident diese verlogene Geschichtsfälschung?
Köhler hätte seine eigenen, in der Berliner Rede geäußerten Worte zu Herzen nehmen sollen: "... es geht auch um Fragen der Verantwortung und des Anstands. Was vielen abhanden gekommen ist, das ist die Haltung: So etwas tut man nicht."
Geld arbeitet nicht

