Geld arbeitet nicht

Betrug ist fester Bestandteil der Finanzwirtschaft

 

In "Geld arbeitet nicht" wird auch die zentrale Rolle von Ratingagenturen in der modernen Finanzwirtschaft beschrieben. Die Gefälligkeitsgutachten der Ratingagenturen haben entscheidend zum Entstehen der internationalen Finanzkrise beigetragen. Die Käufer der als “Collateral Debt Obligations” oder “Commercial Paper” verpackten Kredite waren nicht im Kreditgeschäft tätig. Sie verfügten über keine Expertise, die Werthaltigkeit der erworbenen Produkte zu beurteilen. Die Bewertung der “verpackten” Kredite übernahmen deshalb Ratingagenturen im Auftrag der diese Finanzprodukte anbietenden Banken. Die Banken bündelten hundert oder mehr Anleihen und andere Papiere, die mit Hypothekendarlehen oder anderen Vermögenswerten unterlegt waren. Die schiere Menge der Anleihen im Paket machte es den Anlegern unmöglich, sich selbst ein Urteil zu bilden. Die Käufer der verpackten Kreditforderungen vertrauten blind auf die Expertise der Ratingagenturen. Viele der von den Banken angebotenen hochkomplexen Finanzprodukte hatten von den Agenturen Bestnoten erhalten, obwohl sie auch minderwertige Hypotheken enthielten.

 

Nach Untersuchungen des New Yorker Generalstaatsanwalt Andrew Cuomo betrogen Investmentbanken hierbei mit Hilfe von Ratingagenturen ihre Kundschaft in großem Stil. Gemäß den Ermittlungen der amerikanischen Staatsanwälte haben Banken ihren Kunden wissentlich minderwertige Anlagen als hochprofitable Investments verkauft. Mitarbeiter der Ratingagentur S&P werden mit folgenden Worten zitiert: „Wir schaffen mit diesen CDOs ein irrsinniges Monster. Last uns hoffen, dass wir alle wohlhabend und pensioniert sind, bevor das Kartenhaus zusammenkracht.“ Während intern vor vielen Hypothekenprodukten gewarnt wurde, wurden Kunden diese zum Kauf empfohlen. Für die Ratingagenturen galt intern "Wir raten (empfehlen) alles, auch wenn es von Kühen strukturiert worden ist." Mehrere Banken wurden zu Millionen schweren Strafen und Rückzahlungen an die betrogenen Kunden verurteilt. Die Citigroup muss 100 Millionen Dollar Strafe und Anleihen von 20 Milliarden Dollar zurückkaufen. Merrill Lynch muss für 12 Milliarden Dollar Anleihen zurücknehmen, die Schweizer UBS muss Anleihen im Wert von 19 Mrd. Dollar zurückkaufen und 150 Millionen Dollar Strafe zahlen. Morgan Stanley nimmt ARS-Anleihen im Nennwert von rund 4,5 Milliarden Dollar zurück. Die US-Bank Wachovia nimmt 8,5 Milliarden Dollar ARS-Anleihen zurück und zahlt 50 Millionen Dollar Strafe. Die Deutsche Bank muss Anleihen im Wert von einer Milliarde Dollar zurückkaufen. Gleichzeitig zahlt Deutschlands größte Bank eine Strafe in Höhe von 15 Millionen Dollar.

 

Im Zusammenhang mit den von subprime Hypotheken abgeleiteten Finanzprodukten wird auch gegen deutsche Bankvorstände strafrechtlich ermittelt. Das Bundeskriminalamt ermittelt gegen ehemalige Vorstandsmitglieder der Sachsen LB wird wegen des Verdachts der Untreue und unrichtiger Darstellung in den Jahresabschlüssen. Es besteht der Verdacht, dass die ehemaligen Vorstände durch die erhebliche Ausweitung der Geschäfte, die Existenz der Bank aufs Spiel setzten. Das von den Managern eingesetzte fremde Vermögen stand zum eingegangenen Risiko und zum erstrebten Gewinn außer Verhältnis.

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Auch gegen Führungskräfte - ein Abteilungsleiter sowie fünf Vorstände - der bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) wird wegen des Verdachts der Untreue ermittelt - KfW-Chef Ulrich Schröder ist ebenfalls im Visier der Ermittler. Die Ermittlungen fußen auf mehr als einem Dutzend Strafanzeigen, die zunächst anhand von KfW-Revisionsberichten strafrechtlich überprüft worden seien, sagte Oberstaatsanwältin Doris Möller-Scheu. "Es gibt einen Anfangsverdacht der Untreue."

 

Betrügerische Geschäfte sind seit langem fester Bestandteil der Finanzwirtschaft. Auf dem Höhepunkt des New Economy Hypes hatte der “Staranalyst” Henry Blodget eine Aktie, die er öffentlich zum Kauf empfahl, in einer internen Mail an Kollegen als “ein Stück Scheiße” tituliert. Hierfür musste er später an die amerikanische Börsenaufsicht eine Strafe in Millionenhöhe zahlen.

 

Im Tagesgeschäft deutscher Banken und Sparkassen wird routinemäßig mit Privatkunden am Rande der Legalität verfahren. So berichtet die Wirtschaftswoche, dass in vielen Filialen deutscher Banken Zustände wie in einer Drückerkolonne herrschen. Unter dem Druck von Vorgesetzten

belügen und betrügen Bankberater die Kunden. Hochspekulative Produkte werden ahnungslosen Kunden als sichere Finanzanlagen verkauft.

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Anders als falsch beratene Kleinanleger setzen sich institutionelle Investoren gegenüber Banken zur Wehr und versuchen ihr Geld auf dem Rechtsweg wiederzuerlangen. Mehrere deutsche Kommunen klagen gegen die Deutsche Bank wegen Falschberatung bei Zinsswaps. Die Österereichischen Bundesbahnen wollen wegen eines Geschäftes mit verpackten Krediten gegen die Deutsche Bank klagen. Beim Kauf von Fondspaketen fühlt sich der Staatskonzern unzureichend beraten und sieht sich wegen irreführender und unvollständiger Beratung über mögliche Risiken beim Kauf von Collateral Debt Obligations (CDO) betrogen. Die CDOs seien demnach so kompliziert konstruiert gewesen, dass deren finanzielle Tragweite für die Bahn-Manager nicht bewusst gewesen sei.

 

subprime in a nutshell zum download
im Internet kursiert ein Cartoon, welches das Geschäft mit nachrangigen Hypotheken und davon abgeleiteten Produkten auf satirisch-humorvolle Art zutreffend beschreibt.
subprime_in_a_nutshell.pdf
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